Das Familienstellen hat einen kraftvollen, heilenden und versöhnenden Effekt in der geistigen Ebene, welcher sich spiegelnd positiv auf den Körper überträgt und auswirkt. Familienstellen bzw. eine Familienaufstellung durchdringt beide Ebenen und heilt körperlich und geistig -oder geistig und körperlich? Ja!

Der Titel löst bei einigen vielleicht Kopfschütteln aus. Wie ist denn das möglich? Die Dimensionen dieses Titels gehen sehr weit. Er sagt ja gleichzeitig, dass auch wir gut sind und dass wir als Kinder gut waren und es noch immer sind. Er sagt, dass auch unsere Eltern gut sind, weil sie Kinder waren, dass sie als Kinder gut waren und es als Eltern auch sind.
Ich will etwas über den Hintergrund von diesem Satz erklären, weg von dem vordergründigen Gerede, wenn wir sagen: „Aber das Kind hat doch das gemacht, und die Eltern haben das gemacht.“ Sie haben es gemacht. Aber wieso? Aus Liebe.
Das werde ich jetzt in der Tiefe erläutern und mit euch auch Übungen machen, mit deren Hilfe ihr in der Seele nachspüren könnt, was es heißt, wirklich gut zu sein. Natürlich ist die Schlussfolgerung – ich nehme sie schon mal vorweg – dass jeder, wie er ist, gut ist. Dass er gerade deswegen gut ist, weil er so ist, wie er ist. Dass wir uns deswegen weder um uns selbst noch um Kinder noch um unsere Eltern Sorgen machen dürfen, ob sie gut sind oder nicht. Nur ist unser Blick manchmal verdunkelt, dass wir nicht sehen, wo wir gut sind, wo die Kinder gut sind und wo ihre Eltern gut sind. Das möchte ich zuerst in einem Überblick erläutern, bevor wir uns dort hineinfühlen.
Das geistige Feld
Durch das Familien-Stellen ist ans Licht gekommen, dass wir eingebunden sind in ein größeres System, in ein Familiensystem. Zu diesem System gehören nicht nur unsere Eltern und die Geschwister, sondern auch die Großeltern und die Urgroßeltern und die Ahnen. Es gehören zu diesem System auch andere, die auf eine bestimmte Weise für dieses System wichtig waren, wie zum Beispiel frühere Partner von unseren Eltern oder Großeltern. In diesem System werden alle von einer gemeinsamen Kraft gesteuert. Diese Kraft folgt bestimmten Gesetzen.
Das Familiensystem ist ein geistiges Feld. Innerhalb dieses geistigen Feldes – so kann man es über das Familien-Stellen erfahren – sind alle mit allen in Resonanz. Dieses Feld ist manchmal in Unordnung. Die Unordnung in einem solchen Feld entsteht, wenn jemand, der auch dazugehört, ausgeschlossen wurde oder abgelehnt oder vergessen. Diese ausgeschlossenen und vergessenen Personen sind mit uns in Resonanz und bringen sich in der Gegenwart zur Geltung. Denn in diesem Feld gilt ein Grundgesetz: Alle, die dazugehören, haben das gleiche Recht dazuzugehören. Niemand kann ausgeschlossen werden. Diesem Feld geht niemand verloren, er wirkt in diesem Feld weiter.
Wenn er ausgeschlossen wurde, aus was für Gründen auch immer, wird unter dem Einfluss dieses Feldes, über diese Resonanz, ein anderes Mitglied der Familie dazu bestimmt, den Ausgeschlossenen zu vertreten. Dann verhält sich dieses Mitglied, zum Beispiel ein Kind, seltsam. Es wird vielleicht süchtig oder krank oder kriminell oder aggressiv. Es wird vielleicht sogar ein Mörder oder schizophren, was auch immer. Aber wieso? Weil diese Person mit Liebe auf einen Ausgeschlossenen schaut und durch ihr Verhalten uns dazu zwingt, diesen Abgelehnten und Ausgeschlossenen anzuschauen mit Liebe. Dieses so genannte schlimme Verhalten ist Liebe für jemanden, der in diesem Feld ausgeschlossen wurde.
Statt dass wir nun auf ein solches Kind mit Sorge schauen und es zu verändern suchen, was sowieso nichts hilft, wie ihr ja wisst, weil größere Kräfte am Werk sind, schauen wir mit diesem Kind auf dieses Feld, dem wir angehören, auf dieses geistige Feld, bis wir unter der Leitung dieses Kindes dorthin schauen können, wo diese ausgeschlossene Person darauf wartet, dass wir sie anschauen und sie zurücknehmen in unsere Seele, in unser Herz, in unsere Familie, in unsere Gruppe, vielleicht auch in unser Volk.
Also, alle Kinder sind gut, wenn wir sie gut sein lassen. Das heißt, wenn wir statt nur auf die Kinder zu schauen, dorthin schauen, wohin sie schauen mit Liebe.
Nun ist die große Erfahrung beim Familien-Stellen: Statt dass wir uns um diese Kinder oder andere Personen Sorgen machen und von ihnen denken, „Wie können die sich nur so verhalten?“ schauen wir mit ihnen auf eine ausgeschlossene Person und nehmen sie herein. Sobald diese Person hereingenommen wird in die Seele der Eltern und der Familie und der Gruppe, atmet das Kind auf und kann endlich frei sein von dieser Verstrickung in eine andere Person.
Wenn wir das wissen, können wir warten, bis wir wissen, wohin uns das Verhalten dieses Kindes führt, wohin es uns als Eltern oder als andere Familienmitglieder führt. Wenn wir mit den Kindern dorthin gehen und die andere Peron hereinnehmen, sind die Kinder erlöst.
Wer ist noch erlöst? Auch wir als Eltern oder als andere Familienmitglieder. Auf einmal werden wir anders oder reicher, weil wir etwas Ausgeschlossenem in uns wieder einen Platz gegeben haben. Alle können sich jetzt, in der Gegenwart, anders verhalten. Mit mehr Liebe, mit mehr Nachsicht, jenseits unserer billigen Unterscheidungen von Gut und Böse, durch die wir vielleicht meinen, wir seien besser und die anderen seien schlechter, obwohl die anderen, die wir als schlecht anschauen, nur auf eine andere Weise Liebende sind. Wenn wir mit ihnen dorthin schauen, wo sie lieben, hören diese Unterscheidungen zwischen Gut und Böse auf.
Eine andere Schlussfolgerung ist natürlich, dass unsere Eltern gut sind und dass hinter allem, was wir vielleicht an unseren Eltern aussetzen wollen, Liebe wirkt. Diese Liebe geht nicht aber zu uns, sondern woanders hin, dorthin, wohin sie als Kinder geschaut haben, zu jemandem, den sie hereinbringen wollten in die Familie. Wenn wir anfangen, allen diesen Ausgeschlossenen Raum in uns zu geben, dann schauen auch wir mit unseren Eltern dorthin, wo sie lieben. Dann werden wir frei, und unsere Eltern werden frei. Auf einmal erfahren wir uns in einer völlig anderen Situation und lernen, was wirkliche Liebe bedeutet.
Alles
Bevor wir eine Übung machen, lese ich einen kleinen Text vor. Es ist gerade ein neues Buch von mir erschienen: „Wahrheit in Bewegung“. In diesem Buch gibt es einen kleinen Text, der auf einer philosophischen Ebene zusammenfasst, was ich gerade erläutert habe. Der Text heißt „Alles“.
„Alles kann nur alles sein, weil es mit allem verbunden ist. (Das ist diese Resonanz) Daher ist jedes mit allem verbunden. Nichts kann daher einzeln sein. Einzeln ist es nur, weil es mit allem verbunden ist, weil in ihm auch alles andere da ist. (Also, niemand ist einzeln, auch kein Kind. Wenn wir ein Kind nur einzeln anschauen, verkennen wir, womit es verbunden ist, mit etwas Größerem.) Daher bin auch ich gleichzeitig alles. Alles kann nicht ohne mich sein, und ich nicht ohne alles. (Das sind weit tragende Gedanken und Einsichten, mit weit tragenden Schlussfolgerungen.)
Was heißt das für die Art und Weise, wie ich lebe, die Art und Weise, wie ich fühle, die Art und Weise, wie ich bin? Ich sehe in jedem Menschen alle Menschen und damit in ihm auch mich. Ich fühle in mir auch alle anderen Menschen, jeden wie er ist. In jedem Menschen begegnen mir alle Menschen und in ihnen auch ich.
Wie könnte ich daher in ihnen etwas ablehnen, ohne dass ich in ihnen auch mich ablehne? Wie kann ich mich an ihnen freuen, ohne dass ich mich in ihnen auch über mich freue? Wie könnte ich einem anderen Gutes wünschen, ohne es zugleich auch mir und allen anderen Menschen zu wünschen? Wie kann ich mich lieben, ohne auch alle anderen Menschen zu lieben? (Denn wir sind mit allen in Resonanz.)
Wer in allen alle sieht, sieht in ihnen auch sich, begegnet in ihnen auch sich, findet in allen auch sich. Wer daher anderen schadet, schadet auch sich. Wer andere verletzt, verletzt auch sich. Wer andere fördert, fördert auch sich. Wer anderen etwas vorenthält, enthält es auch sich vor, und wer sie mindert, mindert auch sich.
Wer andere wirklich liebt, liebt sie alle. Nächstenliebe ist daher zugleich Allesliebe, einschließlich der Liebe zu sich selbst. Sie ist die reine Liebe und die erfüllte Liebe, weil sie in allem alles hat, vor allem auch sich selbst.“
Was ist die Lösung? Alles, was ich ablehne, nehme ich in mein Herz. Damit finde ich zur Allesliebe. Durch sie werde ich groß.
Was heißt hier Größe? Ich anerkenne, dass ich allen anderen Menschen gleich bin, und sie auch mir. Denn dann bin ich mit dem Ganzen verbunden und durch das Ganze groß.
Die Resonanz
Ich mache mit euch einige Übungen, mit deren Hilfe wir in Resonanz kommen mit unserem Körper, mit uns als Kinder und mit unseren Eltern als Kinder
Auf wen schaut unsere Krankheit?
Jetzt könnt ihr die Augen schließen. Ich mache mit euch eine kleine Meditation, in der ihr euch einfühlen könnt in das, was Resonanz bedeutet und was sie in uns bewirkt.
Geht in euren Körper und spürt, wo etwas weh tut, wo etwas krank ist, wo etwas nicht funktioniert. Offensichtlich ist das, was weh tut oder nicht funktioniert, in Dissonanz mit unserem Körper. Wir legen uns innerlich neben diesen Schmerz, neben diese Krankheit, neben dieses Organ und spüren mit der Krankheit, mit diesem Organ, mit diesem Schmerz, wohin er blickt. Womit ist diese Krankheit in Resonanz? Mit welcher Person, die vielleicht abgelehnt wurde oder vergessen oder verteufelt oder verurteilt?
Wir warten, bis wir in diese Bewegung eintreten können, bis wir mitschwingen und vielleicht auf einmal sehen, wohin diese Krankheit schaut. Zum Beispiel auf ein Kind, das früh gestorben ist oder tot geboren wurde oder abgetrieben oder weggegeben. Oder jemanden, den wir verurteilt haben als Verbrecher, mit dem wir nicht zu tun haben wollen und mit dem unsere Familie nichts mehr zu tun haben will. Wir schauen auf diese Person als eine von uns und sagen innerlich zu ihr mit der Krankheit: „Ich sehe dich jetzt. Ich bin wie du. Du bist wie ich. Jetzt gebe ich dir einen Platz in meiner Seele und in unserer Familie. Jetzt bist du wieder bei uns da, einer von uns. Du bist nicht besser und nicht schlechter vor einer größeren Kraft, vor der wir alle nur wie Schachfiguren sind, mit der sie spielt auf verschiedene Weise. Wir anerkennen, du bist uns gleich und wir dir.“
Vielleicht können wir noch zu anderen Menschen gehen, die wir abgelehnt haben, auf die wir böse sind vielleicht, an denen wir schuldig wurden oder die an uns schuldig wurden, und sagen zu jedem: „Ja“.
Wir spüren, was sich dabei verändert in unserem Körper und in unsrer Seele und in unserer Liebe.
Auf wen haben wir als Kinder geschaut?
Das war jetzt ein erster Schritt, um sich einzufühlen, was Resonanz am Ende bedeutet. Was sie in uns bewirkt und wie wir über die Resonanz etwas völlig anderes erfahren können, etwas, vor dem wir uns vorher verschlossen haben.
Nun einige Schlussfolgerungen. Mit ihnen können wir die Übung weiterführen. Macht die Augen wieder zu.
Ihr schaut auf euch als Kinder, wie ihr euch als Kinder verhalten habt. Manchmal auf eine Weise, dass eure Eltern sich Sorgen um euch gemacht haben. Dass sie dachten vielleicht: „Mit dem Kind stimmt etwas nicht. Wie kann es sich bloß so verhalten? Wie kann es sich zum Beispiel zurückziehen, Angst bekommen, böse werden, ungeduldig sein, nicht mehr lernen wollen, aufgeben, als sei alles hoffnungslos geworden?“ Wie immer, ihr schaut jetzt auf dieses Kind, das ihr einmal wart, und fühlt euch ein: Wohin habt ihr als Kind geschaut, als ihr euch so gefühlt habt und euch so verhalten habt? Wohin ging die heimliche Liebe? Mit wem wart ihr ganz tief in Resonanz? Welche Person hat sich durch euch bemerkbar machen wollen, damit sie endlich angeschaut und geliebt wird?
Ihr könnt dem Vater oder der Mutter oder beiden oder auch anderen sagen: „Bitte. Schaut mit mir dorthin mit Liebe.“ Dann könnt ihr anerkennen, wie sehr ihr als Kind geliebt habt. Anders vielleicht, als es erwartet wurde, aber tief in Verbindung mit jemand, der nicht dazugehören durfte. Ihr spürt, wie gut ihr wart und seid.
Okay, das war der zweite Schritt.
Auf wen haben unserer Eltern als Kinder geschaut?
Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter. Könnt ihr noch? Das geht ja tief. Aber es macht reich und weit. Ihr könnt wieder die Augen zumachen.
Jetzt schauen wir auf unsere Eltern, so wie sie waren. An manchen haben wir uns vielleicht gestoßen als Kinder, haben uns gewünscht, sie wären anders gewesen. Jetzt schauen wir sie an, wie sie Kinder waren und wohin sie als Kinder geschaut haben. Auf wen haben sie geschaut, der ausgeschlossen war oder vergessen? Mit wem waren sie in Resonanz und sind es vielleicht noch? Wie sind sie aus dieser Resonanz, aus dieser tiefen heimlichen Liebe so geworden, wie sie sind? Wir schauen mit ihnen auf diese Person oder diese Personen mit ihrer Liebe und lieben diese Personen so wie unsere Eltern sie geliebt haben als Kinder, obwohl das alles vielleicht unbewusst war. Diese tiefe Bewegung ging zu jemandem hin, um ihn hereinzuholen. Wir erlauben diesen Personen, dass sie sich auch in uns bemerkbar machen dürfen. Wir schauen sie an und sagen zu ihnen: „Ja. Ich sehe dich. Ich gebe dir auch in meinem Herzen einen Platz mit Liebe.“