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Staatlich anerkannte Schul- und Bildungsmaßnahme für Erwachsene

 

Die Hellinger® sciencia Aufstellungen von Bert und Sophie Hellinger werden weltweit durch die Hellinger®schule und ihre Dozenten in der Ausbildung zum „Hellinger sciencia® Aufsteller“ vermittelt. Alle besuchten Kurse von Bert und Sophie Hellinger und der Hellinger®schule werden für die Ausbildung anerkannt.

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Bert Hellinger über das Geistigen Familien-Stellen: Die Anfänge

Dem Familien-Stellen bin ich begegnet, denn es gab das Familien-Stellen schon vor mir. Thea Schönfelder zeigte es mir während der Lindauer Psychotherapiewochen und wählte mich als Stellvertreter für den Vater eines schizophrenen Jungen. Völlig unbedarft ließ ich mich aufstellen, selbstsicher und guten Mutes. Auf einmal verschob sie den Stellvertreter für diesen Jungen und ich fiel in ein tiefes Loch. Ich war nicht mehr ich selbst. Am Ende, nach der Aufstellung, fühlte ich mich in einer anderen Landschaft, weit und friedlich. Später begegnete ich ihr noch einmal bei den Psychotherapiewochen in Lindau. Wieder war ich von ihrer Arbeit mit dem Familien-Stellen tief bewegt. Verstehen konnte ich es nicht, zumal sie nichts über die Hintergründen sagte.
Ein paar Jahre später ging ich für vier Wochen zu einem ausgedehnten Seminar über Familientherapie in Snowmass, hoch in den Rocky Mountains. Geleitet wurde es von Ruth McClendon und Les Kadis. Auch sie zeigten einige Male das Familien-Stellen. Wieder war ich in einer Rolle als Stellvertreter und wieder ging ich durch Tiefen und Höhen. Verstehen konnte ich es nicht, auch sie haben es nicht erklärt. Ein Jahr später kamen Ruth McClendon und Les Kadis nach Deutschland und boten zwei Kurse in Mehrfamilien-Therapie an. Das heißt, sie haben fünf Familien, Eltern und Kinder, gleichzeitig fünf Tage lang therapiert. Wieder konnte ich die Einzelheiten schwer erfassen. Das Erleben war da, das Verstehen blieb aus. Doch ich begriff, hier lag die Zukunft.
Nach einem Jahr war es soweit. Ich wagte mich an diese Aufgabe heran.
Davor war einiges geschehen, was mir den Zugang erleichterte. Ich begann zu verstehen, wohin das Familien-Stellen führte. Über viele Jahre hatte ich Kurse angeboten über die von Eric Berne, dem Begründer der Transaktionsanalyse, entwickelte Skriptanalyse. In seinem Buch Was sagen Sie, nachdem sie Guten Tag gesagt haben beschrieb er sie ausführlich. Er fand heraus, dass wir unser Leben nach einem geheimen Plan leben, wie nach einem Skript, den wir auf der Bühne des Lebens fast wortgetreu aufführen.
Dabei kam mir die Einsicht, dass dieses Skript, das wir in unserem Leben spielen, schon vorher von einer anderen Person aus unserer Familie aufgeführt wurde. Dass wir es also von ihr weitgehend übernehmen und im Grunde wiederholen. Plötzlich erfasste ich, was eine Verstrickung war. Wir werden in unserem Leben in das Schicksal einer anderen Person verstrickt, und ich erfasste, was dazu führt. Wir werden in die Schicksale von Personen verstrickt, die unserer Familie verlorengingen, weil sie in ihr vergessen oder von ihr ausgeschlossen wurden. Auf einmal verstand ich, was beim Familien-Stellen ablief. Beim Familien-Stellen kommt über die Stellvertreter ans Licht, wer diese Ausgeschlossenen sind und wie sie wieder in die Familie und in unser Herz zurückgeholt werden können, zur Erleichterung für viele. Zur gleichen Zeit ist mir beim Schreiben eines Vortrags über Schuld und Unschuld in Systemen aufgegangen, dass es eine Ursprungsordnung gibt, dass also die Früheren in einem System Vorrang haben vor den Späteren. Von da an ging für mich die Erfolgsgeschichte des Familien-Stellens weiter.

Was ist beim Familien-Stellen das Besondere?

Das Familienstellen läuft ganz einfach ab. Der Aufstellungsleiter wählt Stellvertreter aus für die Familie der Klienten und dieser stellt sie vor einer Gruppe in Beziehung zueinander. Manchmal wählt auch der Klient die Stellvertreter aus. Auf einmal fühlen die Stellvertreter wie die Personen, die sie vertreten, ohne dass sie diese kennen und ohne dass über sie etwas gesagt worden war. Sie sprechen manchmal mit deren Stimme und bekommen denen Symptome. Zum Beispiel fangen sie an zu zittern oder hören und sehen nicht mehr recht. Dieses Phänomen lässt sich mit herkömmlichen Vorstellungen nicht erklären. Von den vielen Versuchen kam ihnen bisher am nächsten, dass die Stellvertreter in ein anderes geistiges Feld treten. Rupert Sheldrake nennt es ein morphogenetisches Feld. Das heißt, in diesem Feld sind die früheren Ereignisse in einer Gruppe und die mit ihnen verbundenen Gefühlen gespeichert in einem gemeinsamen Gedächtnis.
Ich würde hinzufügen, dass diese Gruppe auch ein gemeinsames Gewissen hat, das ihnen vorschreibt, was sie tun oder lassen müssen, damit sie sich die Zugehörigkeit zu diesem geistigen Feld und zu ihrer Familie verdienen und sichern. Dies alles lässt sich beobachten, doch es reicht für die Erklärung bei weitem nicht aus. 

Der Vorgang

Bevor ich damit weiterfahre, beschreibe ich, wie das Familienstellen am Anfang ablief und was es bewirkte. Nachdem die Stellvertreter aufgestellt waren, wurde der Klient gefragt, wie es ihm gehe. In der Regel war er vom Ergebnis sehr betroffen, weil es anders war, als er es sich vorgestellt hatte. Dann wurden die Stellvertreter befragt, wie es ihnen erging. Danach wurden sie umgestellt, bis sich am Ende alle gut fühlten. Oft wurden noch andere Stellvertreter ausgewählt und mit hineingenommen. Zum Beispiel, wenn alle in die gleiche Richtung blickten, hieß das: sie schauten auf jemanden, der in der Familie ausgeschlossen oder vergessen worden war. Oft war es ein früh verstorbenes Kind. Wenn jemand für dieses Kind aufgestellt wurde, atmeten die anderen auf. Auf diese Weise kam eine verborgene Ordnung der Liebe ans Licht, die sich später als grundlegend erwies.
Was war diese Ordnung der Liebe? Jeder in einer Familie hat das gleiche Recht dazu zugehören. Viele Probleme in einer Familie, auch Krankheiten, haben ihre Wurzel im Ausschluss eines Familienmitglieds. Zum Beispiel, wenn ein Kind weg gegeben oder verschwiegen worden war. Das Augenmerk bei diesen Aufstellungen lag entweder auf der Gegenwartsfamilie oder bei der Ursprungsfamilie. Wenn es vorwiegend um ein Paar und seine Kinder ging, zeigte sich oft, dass ihre Probleme mit etwas Unerledigtem in ihren Herkunftsfamilien zusammenhing. Der Fokus blieb auf diese beiden Familien begrenzt. Wenn auch begrenzt, erwies sich diese Weise des Familien-Stellens als sehr erfolgreich. Es hat vielen Menschen geholfen. Es wurde als eine Bereicherung der Psychotherapie erfahren und blieb weitgehend auf diesen Bereich beschränkt.  

Die Weiterentwicklung des Familien-Stellens

Die Weiterentwicklung des Familien-Stellens ging einher mit neuen Einsichten über unsere Seele und unseren Geist. Vor allem aber über neue Einsichten über die Grenzen unseres Gewissens. So setzt zum Beispiel das Gewissen unserer Liebe Grenzen und unseren Beziehungen.

Die Hellinger sciencia®

Diese Einsichten habe ich später zusammengefasst unter dem Begriff Hellinger® sciencia.  Es hat sich herausgestellt, dass meine Einsichten über die Ordnungen der Liebe in allen unseren Beziehungen gelten, weit über uns persönlich und über unsere Familie hinaus. Sie sind eine eigene Wissenschaft, eine schöpferischen Wissenschaft in Bewegung. Diese Wissenschaft kommt beim Familienstellen ans Licht. Sie wird in ihm erfahrbar. Diese Wissenschaft sprengt die Grenzen des früheren Familien-Stellens und die Grenzen der Psychotherapie.

Das geistige Familien-Stellen

Bevor ich hier weiterfahre, sage ich etwas über den Geist und wie er sich in den Bewegungen unseres Körpers und unserer Seele offenbart. Hier komme ich zurück auf das Phänomen, dass die Stellvertreter bei einer Familienaufstellung plötzlich fühlen wie die Personen, die sie vertreten, ohne von ihnen etwas zu wissen. Später habe ich die Stellvertreter nur selten gefragt, wie sie sich fühlen. Statt der ganzen Familie habe ich  oft nur einen Stellvertreter für den Klienten aufgestellt. Dabei war wichtig, dass sich dieser Stellvertreter – ohne dass er etwas über den Klienten wusste –allein der inneren Bewegung überließ, wie sie ihn von innen und außen erfasste. Diese Vorgehensweise ging weit über das frühere Familien-Stellen hinaus. Es gab keine Fragen mehr nach den Gefühlen, keine Fragen nach den Erwartungen und Ängsten. Die Aufstellung wurde nicht auf ein Ziel geleitet, das von Klienten vorgegeben war und in dessen Dienst sich der Aufstellungsleiter stellte. Alles wurde den Bewegungen überlassen, wie sie den Stellvertreter erfassten, jenseits der Vorstellungen von Problem und Lösung und jenseits der Psychotherapie im bisher üblichen Sinn.
Auf einmal kam ans Licht, was in den Stellvertretern wirklich vor sich ging, wenn sie sich von einer anderen Kraft bewegt erfuhren. Sie erfuhren sich als ein Medium, von einer anderen Macht in Besitz genommen und bewegt. Auch der Aufstellungsleiter folgte diesen Bewegungen. Auch er ließ sich von ihnen erfassen und leiten.

Beispiel

Wenn sich der Stellvertreter des Klienten den Bewegungen des Geistes überlässt, schaut er manchmal, ohne dass er sich dagegen wehren kann, auf den Boden. Von der Erfahrung aus vielen Aufstellungen wissen wir, was das bedeutet. Dieser Stellvertreter schaut auf einen Toten. Mehr noch: es zieht ihn zu einem Toten. Das heißt, um es ganz klar zu sagen: Der Klient will sterben. Auf diese Weise kommt die eigentliche Bewegung ans Licht, um die es bei diesem Klienten geht. Im Einklang mit dieser Bewegung greift der Aufstellungsleiter ein. Er wählt einen Stellvertreter für diesen Toten und bittet ihn, sich vor den ersten Stellvertreter mit den Rücken auf den Boden zu legen. Auch dieser Stellvertreter überlässt sich der inneren Bewegung. Auf einmal kommt etwas anderes, etwas Unerwartetes ans Licht. Der Stellvertreter für den Toten wendet sich vom ersten Stellvertreter ab. Er schaut in die entgegengesetzte Richtung. Das heißt: statt auf den Stellvertreter des Klienten schaut er auf eine andere Person. Wieder kommt etwas Unerwartetes ans Licht, ohne dass ein Wort gesagt wurde. Nicht den Klienten zieht es zu diesem Toten, sondern eine andere Person. Also wählt der Aufstellungsleiter einen weiteren Stellvertreter und stellt ihn dem Toten in den Blick. Auf einmal wenden diese sich einander zu und der Stellvertreter des Klienten atmet auf. Was zeigt sich hier? Der Klient wollte an Stelle einer anderen Person sterben. Wir können uns vorstellen, welche Erleichterung es für ihn sein muss, wenn er plötzlich erfasst, dass es sich bei ihm um eine Verschiebung handelte. Auf diese Weise geht das geistige Familien-Stellen weit über die bisherigen Grenzendes Familien-Stellens hinaus.

Wer oder was führt beim geistigen Familien-Stellen?

Offensichtlich werden die Stellvertreter und der Aufstellungsleiter beim geistigen Familien-Stellen von einer anderen Macht in Besitz genommen und geführt. Wohin werden sie geführt? Über alle Trennungen hinweg werden jene zusammengeführt, die vorher unverbunden und getrennt waren. Diese Macht ist eine Macht der Liebe, die alle Trennungen aufhebt. Was heißt das im Einzelnen? Die für uns oft im Vordergrund stehenden Unterscheidungen von Gut und Böse oder von Dazugehörig oder Ausgeschlossen gelten nicht mehr. Was wir uns in der bisherigen Psychotherapie erhofft haben, tritt in den Hintergrund, und mit ihm alles, was wir mit unserem guten Gewissen erreichen wollten und unserem guten Willen. Dies alles geschieht unabhängig von unseren üblichen Vorstellungen und unserem gewohnten Denken. Beim geistigen Familien-Stellen läuft es vor unseren Augen ab, ohne äußere Eingriffe, wie eine für alle klare Offenbarung, wie der Eingriff einer anderen, einer geistigen Macht. Die Stellvertreter und der Aufstellungsleiter verhalten sich wie Medien, durch die andere Kräfte wirken. Diese führen zu Lösungen, die uns bisher verwehrt waren. Was geschieht mit dem vorher geübten Familienstellen? Es behält weiterhin seinen Wert, allerdings in Grenzen. Gleichzeitig wird es überwunden, je mehr sich die Aufstellungsleiter und unter ihrer Führung alle Beteiligten auf etwas Größeres einlassen. Sie lassen sich ein auf die ihre persönlichen Interessen übersteigenden Bewegungen des Geistes, und unterwerfen sich ihrer Führung.
Verlieren sie dadurch etwas? Sie alle gewinnen.

Die Grenzen des früheren Familien-Stellens

Wo lagen und liegen die Grenzen des früheren Familien-Stellens? Sie lagen in den inneren Bildern von Richtig und Falsch, von Unrecht und Recht und von Freiheit und Selbstbewusstsein. Diese inneren Bilder versperrten den Blick auf die tiefer liegenden Ordnungen der Liebe und auf die Folgen der Unordnung, sobald wir diese Ordnungen übertreten, ob bewusst oder unbewusst. Welche Ordnungen der Liebe wurden dabei von allem übersehen und außer Acht gelassen?
Als Erstes die Ordnung, dass alle, die zu unserer Familie gehören, das gleiche Recht auf Zugehörigkeit haben. Zu Beispiel alle weggegebenen, verheimlichten und abgegangenen oder abgetriebenen Kinder. Auch alle, die wir schuldig sprechen. 
Als Zweites, dass es in der Familie eine Rangordnung gibt gemäß der Zeit der Zugehörigkeit zu ihr. Das heißt: Jene die früher da waren, haben Vorrang vor denen, die später hinzukamen. Daher kommen die Eltern vor den Kindern und das erstgeborene Kind vor dem zweiten. Auf diese Weise hat jedes Mitglied in der Familie seinen eigenen Platz. Niemand kann und darf ihm diesen Platz streitig machen. Das Gleiche gilt für andere Gruppen. Jeder Versuch, anderen ihren Platz streitig zu machen, indem man sich über sie erhebt, hat weittragende Folgen. 
In unserer Kultur ist dieses Gesetz weitgehend aus dem Bewusstsein verbannt, was es nicht daran hindert, uns überall die Folgen seiner Übertretung spüren zu lassen. Wie folgenschwer die Missachtung dieser Gesetze sein kann, kommt beim Familien-Stellen ans Licht. Sie führt in der Familie letztlich zum Tod. In anderen Gruppen führt ihre Missachtung unausweichlich zu Misserfolg und Untergang. Allen Tragödien geht die Missachtung dieses Gesetzes voraus, indem ein Nachgeborener versucht für die ihm Vorangegangenen etwas zu übernehmen, was ihm als später Hinzugekommener verwehrt bleibt.

Unordnungen des Helfens

Das Gesetz der Rangfolge gilt es auch beim Familien-Stellen zu beachten. Ein Aufstellungsleiter, der von einem Klienten um Hilfe gebeten wird, tritt in dem Augenblick in die Familie ein, jedoch an letzter Stelle. Jeder Versuch von seiner Seite, sich über andere Familienmitglieder zu stellen, ist zum Scheitern verurteilt. Vor allem wenn er für einen Klienten der bessere Vater oder die bessere Mutter sein  will. Noch schlimmer, wenn er für einen Partner der verständnisvollere Mann oder die aufmerksamere Frau sein will. Dadurch  entsteht eine Dreiecksbeziehung, die den anderen Partner ausschließt. Statt das Paar zusammenzuführen, treibt er es auseinander. Helfen kann ein Aufstellungsleiter daher nur, wenn er die Eltern eines Klienten hochhält, so wie er zuvor seine eigenen Eltern, vor allem seine Mutter hochgehalten hat.

„Lieber ich als du“

Die Verletzung der Rangordnung zeigt sich in einer Familie vor allem dort, wo ein Kind etwas für seine Eltern übernehmen will, um sie zu retten. Wenn ein Kind wahrnimmt, dass einer seiner Eltern so krank wird, dass er sterben muss, oder dass es zum Beispiel seine Mutter in den Tod zieht oder sie sich umbringen will, sagt es in seinem Herzen: „Lieber ich als du.“ Mit diesem inneren Entschluss offenbart es eine tiefe Liebe. Zugleich erhebt es sich über seine Eltern. Diese Liebe führt unweigerlich zum Scheitern. Das Kind wird selbst krank, es stirbt sogar, doch ohne dass es damit den anderen retten kann. Diese Unordnung zeigt sich auch ungekehrt, wenn Eltern einem Kind heimlich etwas aufbürden, was sie alleine tragen müssen. Zum Beispiel die Folgen einer Schuld. Welches Ausmaß die Folgen der Übertretung der Rangordnung haben kann und zu welchen Tragödien sie führt, ist auch hier deutlich abzusehen. Das gleiche Schicksal erwartet einen Helfer und in diesem Zusammenhang einen Aufstellungsleiter, der die Rangordnung missachtet. Zum Beispiel, wenn er einem Klienten die Folgen einer Übertretung der Rangordnung abnehmen oder sie überspielen will, statt sie ihm zuzumuten. In diesem Sinne ist das Helfen ein gefährlicher Beruf, wenn der Helfer die Rangordnung verletzt und außer Acht lässt. Beim geistigen Familien-Stellen stellt sich diese Frage nicht. Hier liegt die Führung woanders. Der Aufstellungsleiter steht in anderen Diensten. Er vermittelt lediglich, ohne sich im Sinne des üblichen Helfens einzumischen.

Die gefährliche Liebe

Die Übertretung der Rangordnung geschieht oft mit gutem Gewissen. Sie geschieht aus Liebe. Sie kommt aus einer unschuldigen Liebe und wird mit gutem Gewissen übertreten. In unserer Kultur und Religion wird diese Liebe sogar als die höchste gepriesen. Zum Beispiel, wenn jemand wie Jesus, zumindest, wie es von ihm berichtet wird, sein Leben hingibt, um uns vor unseren Sünden zu erlösen. Als Lohn für sein Selbstopfer wurde er in den Himmel erhoben und Gott gleich. Er wurde zu seinem Sohn. In einem Kind, das bereit ist, sein Leben zu opfern, um seine Mutter oder seinen Vater zu retten – und sonst im Leben, wenn jemand in seiner Vorstellung andere retten will, indem er ihr Schicksal auf sich zu nehmen bereit ist – führt diese Liebe zum Selbstopfer mit der Vorstellung, damit auf eine besondere Weise zu seiner Familie oder Gruppe gehören zu dürfen. Diese Vorstellung und dieses Handeln kommen aus dem guten Gewissen.

Die Gefahren der Unschuld

Was heißt Unschuld? Wie wird sie in unserer Seele erfahren? Wir erfahren sie als die Gewissheit, dazugehören zu dürfen, selbst um den Preis des eigenen Lebens. Die Gewissheit, auf besondere Weise dazugehören zu dürfen, wird wichtiger als das eigene Leben. Wer sein Leben auf diese Weise opfert, erfährt sich oft als auserwählt. Noch etwas spielt hier eine Rolle. Die früher Dagewesenen werden als wichtiger wahrgenommen wie jene, die nach ihnen kommen. Hier sind die Eltern wichtiger als die Kinder. Kinder spüren das. Sie opfern lieber sich selbst, als dass sie ihre Eltern verlieren. Umgekehrt sagen die Eltern innerlich zu einem Kind: „Lieber du als ich.“ Auch hier wirkt verborgen die Rangordnung. Das ist der entscheidende Hintergrund für die Kinderopfer, ob wirklich als Schlachtopfer wie in früheren Zeiten, oder übertragen wie in der Vorstellung der Kinder, „Lieber ich als du.“ Wir finden diese Vorstellung auch zwischen Partnern. Auch hier sagt manchmal der eine dem anderen innerlich: „Lieber du als ich“, und der andere sagt: „Lieber ich als du.“

Die Lösung

Das geistige Familienstellen überwindet diese gefährliche Unschuld. Hier steht jeder unmittelbar vor jener geistigen Macht, die sein Leben lenkt. Sie führt jeden, wenn er sich ihr überlässt, in eine andere Freiheit, weit über die Grenzen unseres Gewissens hinaus und Schritt für Schritt aus unseren Verstrickungen. Das setzt voraus, dass der Aufstellungsleiter sich selbst auf diesem Weg befindet und auf ihm weiterschreitet. Sonst bindet er sowohl sich als auch den Klienten und die Teilnehmer in seiner Gruppe weiterhin an das gute Gewissen und seine für viele gefährlichen Folgen. 

Das Völker verbindende Familien-Stellen

Nur wenn wir die Grenzen unseres Gewissens erkennen und sie im Einklang mit den Bewegungen des Geistes überwinden, wird das Familien-Stellen für uns ein Weg, die Grenzen zwischen Völkern zu überschreiten. Wir führen zusammen, was sich vorher entgegenstand. Zum Beispiel, wenn Völker, die vorher miteinander Krieg führten oder Krieg führen mussten, gemeinsam die Toten von beiden Seiten beweinen. Wenn sich über deren Gräber hinweg die Hand reichen und in gegenseitiger Wertschätzung zum Wohle aller zusammenarbeiten. Auch hier kommt über das geistige Familien-Stellen ans Licht, was dieser gemeinsamer Zukunft im Wege steht und wie diese Hindernisse überwunden werden können. Auch hier beginnt der Friede in den Seelen, indem beide Seiten gemeinsam unten bleiben, ohne sich über andere zu erheben und an Vorwürfen festzuhalten.

Die geistige Unternehmensberatung

Das Familien-Stellen hat sich mit seiner Erweiterung in den geistigen Bereich jenseits der Grenzen des Gewissens über den persönlichen Bereich hinaus auch im öffentlichen Bereich von Beruf und Unternehmen als hilfreich und bahnbrechend erwiesen. Vor allem weil es weit in die Vergangenheit hineinreicht. Es bringt verborgene Hintergründe für Erfolg und Misserfolg ans Licht und ermöglicht entscheidende Umstellungen. Vergangenheit heißt hier, dass auch jene Ahnen, von denen wir keine Kenntnis haben, weil sie lange vor uns gelebt haben, und dass die Ereignisse, die ohne Lösung blieben, beim geistigen Familien-Stellen in Erscheinung treten und uns auf einmal bewusst wird, dass unsere Ahnen in uns weiterleben und durch uns und mit uns etwas zu Ende bringen wollen, das ihnen und uns Frieden bringt. Dabei bleiben die Einzelheiten weiterhin verborgen. Die entscheidenden Bewegungen jedoch, zum Beispiel jene, die Opfer und Täter miteinander versöhnen, werden erfahrbar und kommen an ihr Ende.

Die Berufswahl

Dabei zeigt sich manchmal, dass unsere Berufswahl im Dienst dieser Versöhnung stand. Nach deiner Aufstellung , welche die Ahnen beachtet, werden unsere Möglichkeiten enorm erweitert. Auch kann es sein, dass unser Leben und unser Beruf eine neue Wende nehmen und unsere bisher zurückgehaltenen Fähigkeiten voll zum Zuge kommen. Noch etwas kommt manchmal ans Licht. Dass  eine Person aus unserer Vergangenheit – obwohl wir nichts von ihr wissen – von uns Besitz ergreifen kann und unsere Emotionen, vor allem unsere aggressiven Emotionen, sich als ihre und nicht als unsere erweisen. Auch hier wird über das geistige Familien-Stellen eine Lösung erleichtert und ermöglicht.

Das Karma

Noch etwas, das für viele ungewohnt erscheinen mag, obwohl es ebenfalls beim geistigen Familien-Stellen ans Licht kommt. Beim geistigen Familien-Stellen wechselt unser Stellvertreter und wechseln manchmal auch wir selbst, wenn wir unmittelbar mit hineingezogen werden, in ein früheres Leben. Vor allem dann, wenn damals etwas unvollendet blieb und als Karma weiterwirkt. Über das geistige Familien-Stellen kommt dieses Karma an ein Ende. Wie? Mit Liebe, mit jener geistigen Liebe, die alles vollendet, weil sie alles, was abgewichen war, wieder zurückholt und das Unvollendete mit Liebe vollendet.

Die andere Dimension

In der letzten Zeit zeigt sich beim geistigen Familien-Stellen manchmal eine Bewegung, welche die Grenzen des Familien-Stellens sprengt. Auf einmal werden die Stellvertreter und über sie hinaus die Gruppe der Teilnehmer, auch wenn diese manchmal über  hundert Personen erfasst, in eine Bewegung mit hineingezogen, die in andere Dimensionen reicht. Alle werden von ihr erfasst, ohne dass sie sich dagegen wehren können. Hier geht es zum Beispiel um Bewegungen, die ein ganzes Volk erfassen und mit ihnen jene, mit denen sie im Krieg lagen. Oder es geht um das Trauma von Vernichtungskriegen, die weit zurückliegen, wie zum Beispiel der Mongolensturm. In dieser Bewegung kommt ein Völker übergreifendes Karma unwiderstehlich zum Zug und endlich zur Ruhe. Solche Aufstellungen können wir nicht wollen oder inszenieren. Hier kommen andere, geistige Kräfte zum Zuge. Jedoch immer mit einer alle umfassenden Liebe, die dieses Vergangene heilend überwindet für alle.