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Jeder nimmt den Platz ein, der ihm zukommt

Die zweite grundlegende Ordnung der Liebe verlangt, dass jeder von uns in seiner Familie den ihm bestimmten Platz einnimmt, der nur ihm zukommt. Diese Rangordnung ist eine hierarchische Ordnung. Das heißt, in ihr gibt es einige, die höher stehen und von daher zuerst kommen, und andere, die unter ihnen stehen und nach ihnen kommen. Was bestimmt diese Rangordnung? Die Zeit der Zugehörigkeit. Wer früher ein Mitglied der Familie war, hat Vorrang vor denen, die nach ihm kamen. Jene Macht, die alles in Leben ruft, hat ihn vor denen, die nach ihm kommen, ins Leben gerufen. Auf diese Weise kommen die Eltern vor ihren Kindern, das erstgeborene Kind kommt vor dem zweiten, und so weiter. Das heißt, wenn sich ein später Dazugekommener über jemanden erhebt, der vor ihm da war, verstößt er gegen diese Rangordnung. Jeder in der Familie hat seinen eigenen ihm zustehenden Platz. Niemand kann und darf ihm diesen Platz streitig machen, zum Beispiel, indem er sich über ihn erhebt oder ihn von seinem Platz verdrängen will. 
Die Rangordnung wird in unserer Kultur oft verletzt, weil sie mit Berufung auf die persönliche Freiheit und auf das Recht, sich nach seinen eigenen Vorstellungen zu entfalten, von vielen rücksichtslos übergangen wird. Die Folgen dieser Verletzung sind verheerend. Sie entscheiden über Erfolg und Misserfolg und oft über Leben und Tod. Die Folgen zeigen, dass es sich hier um eine göttliche Ordnung handelt, gegen die niemand ohne schlimme Folgen für sich und andere verstoßen kann. Beim Familien-Stellen kommen diese Ordnungen ans Licht. Ihre Wiederherstellung sind die Voraussetzung für ein gelungenes Leben und für jedes andere Gelingen.

Die Folgen der Verletzung der Rangordnung

Auf der Verletzung der Rangordnung steht letztlich die Todesstrafe, hier in einem umfassenden Sinn. Viele mag das erschrecken, vor allem deshalb, weil die Rangordnung meistens sowohl unwissend als auch aus Liebe verletzt wird. Wenn ein Kind innerlich wahrnimmt, dass es einen der Eltern in den Tod zieht, aus was für Gründen auch immer, sagt es in seiner Seele: „Lieber ich als du.“ Das heißt zum Beispiel:

   „Lieber werde ich krank als du.“

   „Lieber sterbe ich als du.“

   „Lieber bezahle ich für ein Vergehen als du.“

   „Lieber trage ich deine Schuld als du.“

   „Lieber verschwinde ich als du“

   „Lieber bringe ich mich um als du.“

Doch ein Kind steht in der Rangordnung unter den Eltern. Wenn es für sie sterben will, erhebt es sich über sie, als könnte es über ihr Leben und ihren Tod verfügen. Durch diese inneren Sätze stellt es sich über sie an die erste Stelle.

„Die Unschuld“

Das Kind merkt jedoch nicht, dass es sich über seine Eltern erhebt. Es erhebt sich über sie mit einer Liebe, die bereit ist, für sie sein Leben hinzugeben. Diese Liebe führt zum Tod, ohne dass sie anderen ihr Schicksal abnehmen kann. Hier müssen wir einen Augenblick innehalten, denn die Tragweite dieser Ordnung und ihrer Verletzung widerspricht dem grundlegenden Glauben der christlichen Religion. Diese Religion predigt eine Liebe, die ihr Leben opfert für andere und verspricht ihnen als Lohn das ewige Heil. Das Familien-Stellen bringt ans Licht, dass diese Liebe zum Scheitern verurteilt ist. Nicht: „Jeder trage des anderen Last,“ sondern: „Jeder trage sein eigenes Schicksal und die Folgen seines Verhaltens allein, ohne sie einem anderen aufzubürden.“ Nur so bleibt er groß und in seiner Würde. Nur so lässt er  andren, die an seine Stelle treten wollen, für ihr eigenes Schicksal und ihr eigenes Leben frei.

Die größere Liebe

Wo ist hier die größere Liebe? Die größere Liebe bleibt ohne Anmaßung, ohne sich über andere zu erheben. Zugleich weist sie ihnen ihren eigenen Platz zu. Wo? Unten. Beim Familien-Stellen zeigt sich: Am Ende ist jeder gleich groß. So zeigt es sich am Ende einer Aufstellung. Was erweist sich als Ergebnis dieser Rangordnung der Liebe? Jeder bleibt an seinem Platz. Die Beachtung der Rangordnung ist die Voraussetzung für den Erfolg in allen Beziehungen. Sie überwindet die Konflikte und führt zur Versöhnung. Sie erweist sich als eine Ordnung des Friedens.