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Welche Unordnung das Gewissen in einer Paarbeziehung stiften kann, sehen wir daran, dass jeder Partner versucht, den anderen zu seinem Gewissen zu bekehren. Er misst ihn nach den Vorgaben seines Gewissens und hält das Verhalten des anderen nach Maßgabe seines Gewissens für gut oder schlecht. Das gilt für beide Partner. Es tut der gegenseitigen Achtung und Liebe Abbruch und führt in vielen Beziehungen zu endlosen Streitereien. Vor allem wenn es darum geht, wie die Kinder erzogen werden sollen.

Das Ja in der Paarbeziehung

Wie können wir uns aus der Unordnung des Gewissens in unserer Paarbeziehung befreien? Indem wir den Partner und seine Familie und sein Gewissen als dem unseren gleichwertig anerkennen. Wir sagen ihm also: „Ich liebe dich, so wie du bist, genau wie du bist. Ich liebe deine Mutter, wie sie ist, genau wie sie ist. Ich liebe deinen Vater, wie er ist, genau wie er ist. Ich liebe deine Familie, wie sie ist, als der meinen ebenbürtig.“ Damit haben wir einen Schritt über die Enge unseres Gewissens getan, einen Schritt der Liebe. Das Gleiche gelingt uns mit unseren Kindern. Hier können wir vor allem überprüfen, ob uns dieser Schritt gelang. Zum Beispiel wenn wir einem Kind innerlich und sogar offen sagen: „In dir liebe ich deinen Vater, wie er ist, und ich freue mich, wenn du einmal wirst wie dein Vater.“ Oder: „In dir liebe ich deine Mutter, wie sie ist, und ich freue mich, wenn du einmal wirst wie deine Mutter.“ Was geschieht dann mit dem Kind? Es wird glücklich. Denn es liebt beide Eltern, wie sie sind. Diese Sätze haben noch eine andere Wirkung. Das Kind wird für seinen eigenen Weg frei.

Gewissen und Liebe

Wer immer seinem Gewissen folgt, lehnt andere ab. Um zu seiner Familie gehören zu dürfen, muss er andere, die anders sind, weil sie ein anderes Gewissen haben, für minder erachten und für weniger gut, und sich  für besser als sie halten. Damit steht das Gewissen der Achtung und Liebe für andere, die anders sind, entgegen. Alle Unterscheidungen von Gut und Böse und von Auserwählt oder Verworfen, oder von Himmel und Hölle, kommen aus dem Gewissen. 
Das hängt damit zusammen, dass wir unseren Gott weitgehend nach den Maßstäben unseres Gewissens erschaffen. Dass er also nur die liebt, die unser Gewissen liebt, und jene von seiner Liebe ausschließt, die unser Gewissen von unserer Liebe ausschließt. Selbstverständlich haben auch die anderen, die ein anderes Gewissen haben, einen Gott, der ihrem Gewissen folgt. Auch sie schließen andere unter Berufung auf ihr Gewissen und auf ihren Gott aus. Zum Beispiel uns. So wird das gute Gewissen der einen und das gute Gewissen der anderen zum Spaltpils, der Menschen und Völker und Religionen voneinander trennt. Ihr gutes Gewissen bringt sie gegeneinander auf. Es rechtfertigt die schlimmsten Grausamkeiten gegen andere, zum Beispiel in den Religionskriegen.