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Das gleiche Recht auf Zugehörigkeit

Jemand wird aus seiner Familie ausgeschlossen, wenn er den Maßstäben ihres Gewissens widerspricht. Zum Beispiel, wenn er sich einer Gruppe  anschließt, die ein anderes Gewissen hat. Der Ausschluss wird mit dem guten Gewissen seiner Familie gerechtfertigt und von ihm verlangt. Das geht manchmal soweit, dass dieses Mitglied umgebracht wird. 
Oder eine Frau verheimlicht ein Kind und gibt es weg, weil es in ihrer Familie als Schande gilt, ein uneheliches Kind zu haben. Oder sie treibt aus Angst vor dem eigenen Ausschluss dieses Kind ab. Hier sehen wir, wie lebensfeindlich das gute Gewissen sein kann. 
Umgekehrt, wenn eine Frau unter diesen Umständen ein Kind weggibt, oder wenn sie ein Kind abtreibt, will sie sich im Sinne des Ausgleichs von Geben und Nehmen von ihren Schuldgefühlen befreien, indem sie dafür sühnt. Das heißt, sie tut sich etwas an. Sie wird vielleicht krank und will sterben

Die Rangordnung

Es muss jedoch nicht jeder selbst sühnen. Es genügt, wenn ein anderer stellvertretend für ihn sühnt. Auch das ist eine Gewissensbewegung. Der Ausgleich braucht nicht persönlich zu sein. Wer will diesen Ausgleich? Der Gott des Gewissens. Alle Opfer, die ihm dargebracht werden, vor allem alle Kinderopfer, dienen seiner Versöhnung. Das heißt, sie dienen dem Ausgleich für einen Ausschluss. Wer bereit ist, die Sühne zu übernehmen, bringt denen, für die er sich opfert, Segen. Das ist eine Verschiebung des Ausgleichs im Sinne von: Erst das Opfer und dann der Segen. Diese Gewissensbewegung wirkt hinter den Versuchen von Kindern, ihre Eltern zu retten, indem sie an deren Stelle krank werden oder sterben wollen. Zugleich ist diese Gewissensbewegung die Grundbewegung hinter jeder Tragödie. Allerdings verbindet sie sich hier mit einer Verletzung der Rangordnung, in der sich ein Nachgeordneter an die Stelle eines ihm Vorgeordneten setzt, ohne dass ihm dieser Verstoß gegen die Rangordnung bewusst wird. Aus welchem Grund? 
Das Gewissen sichert ihm zu, dass er sich dadurch ein größeres Recht auf die Zugehörigkeit zu seiner Familie verdient.