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Der Friede in Russland
Auf den Frieden warten viele. So hat Russland während des letzten Krieges lange auf den Frieden gewartet und dafür die größten Opfer auf sich genommen.
Seltsamerweise, obwohl Russland um dieses Friedens willen von allen Beteiligten die größten Opfer bringen mussten, wird der Beitrag der Russen für diesen Frieden bis heute von vielen Völkern, die sie von der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus befreiten, wenig gewürdigt. Zum Beispiel von den Ungarn, den Tschechen und den Polen. Vor allem aber von vielen Deutschen bis heute.
Ich verneige mich vor diesen Opfern.
Die Frage ist: Wo sind die vielen Toten geblieben? Zum Beispiel die vielen Toten im damaligen Leningrad? Sind sie noch da? Sind sie in unserem Bewusstsein? Leben sie mit uns? Wenn ich durch die Straßen von St. Petersburg gehe, erfahre ich ihre Gegenwart auf Schritt und Tritt.
Die Frage ist: Wollen sie etwas von mir? Wollen sie etwas von uns?
Sie denken mit uns Gedanken des Friedens. Sie denken diese Gedanken zusammen mit allen Toten, die in diesem Krieg ihr Leben verloren, auf der eigenen und auf der anderen Seite. Im Tod wurden sie einander vor einer größeren Macht gleich. Wie ist steht es danach mit den Lebenden? Mit den Lebenden auf beiden Seiten? Was erwarten die Toten von uns? Bleiben sie auf ihrer Seite? Oder wurden sie über alle Gräben hinweg miteinander eins? Miteinander versöhnt eins? Wenn ich als einer, der selbst in diesem Krieg kämpfen musste ‒ allerdings nicht in Russland ‒ auf die vielen Toten schaue, die in diesem Krieg ihr Leben verloren haben, fühle ich mich wie einer, der überlebt hat? Fühle ich mich in diesem Sinne den Toten gegenüber im Vorteil? Habe ich ihnen gegenüber etwas gewonnen, was sie verloren haben?
Ich habe gewonnen, was sie gewonnen haben. Sie und ich haben die Grenzen zwischen denen, die sich vorher entgegenstanden, überschritten. Sie, die Toten in erster Linie, stehen hinter der Friedensbewegung des Familien-Stellens.
Gibt es eine dem Leben dienende Lösung innerhalb des Familien-Stellens, ohne dass die Toten, die von den Lebenden ausgeschlossen wurden, wieder zurückgeholt und anerkannt werden? Gilt dasselbe weit über die Familien hinaus auch für die Völker? Zum Beispiel für die Deutschen und die Russen?
In diesem Sinne komme ich immer wieder nach Russland zurück. Umgekehrt kommen viele Russen zu mir und zu meinen Kursen nach Deutschland.
In diesem Sinne wurde das Familien-Stellen zu einer Friedensbewegung weit über den Bereich der Familien hinaus, als eine Friedensbewegung zwischen den Völkern und auch innerhalb von Völkern.
Ein Beispiel für Russland war eine bewegende Aufstellung in Wladiwostok mit dem Titel: „Versöhnung in Russland“ und in diesem Rahmen auch über „Stalin und Russland“.
Umgekehrt hoffe ich, dass von diesem neuen Familien-Stellen eine versöhnende Wirkung ausgeht. Dass es zwischen den verschiedenen Richtungen des Familien-Stellens eine Brücke schlägt in gegenseitiger Achtung und Liebe.
